Überbetriebliches Solidaritätskomitee Rhein-Neckar

Schriftliche Stellungnahme der SPD-Bundestagsabgeordneten Doris Barnett zu den Forderungen des überbetrieblichen Solidaritätskomitees Rhein-Neckar:

Von unternehmerischen Entscheidungen hängt in hohem Maße das Wohl ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ab. Unternehmer tragen Verantwortung nicht nur für die Zukunft des Betriebs, sondern auch für die Belegschaft.

Verantwortung heißt für mich, auch über den Tag hinaus denken und entscheiden.

Wenn das Management von Betrieben heute wegen Billigkonkurrenz, Billiglohnländern, Steuerversprechungen und möglichen Gewinnerwartungen Stellenabbau betreibt, schaden sie sofort den Mitarbeitern, aber letztlich auch sich selbst. Der Wert eines Unternehmens liegt nicht in Gewinnprognosen, sondern in der Qualität seiner Beschäftigten!

In der Vergangenheit haben auch Unternehmen in unserer Region erkannt, was ihren Wert ausmacht. Dennoch erleben wir zurzeit wieder, dass die Entscheidungsträger in den Betrieben lieber auf Quartalszahlen schielen als auf den langfristigen Erfolg. Kurzfristige Entscheidungen dürfen aber nicht zu einer falschen Geschäftsausrichtung verleiten!

Dabei hat sich bereits eindrucksvoll gezeigt, dass eine Zusammenarbeit von Unternehmen, Betriebsrat und Gewerkschaft – auch mit Unterstützung der Politik – erfolgversprechend für jede Seite ist. Leider sehen das nicht alle im Betrieb Verantwortlichen so. Deshalb ist es wichtig, dass bei Entscheidungen, die auch für die Belegschaft von großer Tragweite sind, die Mitbestimmung greift. Nicht nur Informationen von Unternehmensseite sind dann gefragt, sondern auch eine Einflussmöglichkeit der Betriebsräte. Schließlich geht es neben dem Geld der Kapitaleigner auch um die Existenzfrage bei den Arbeitnehmern.

An dieser Stelle muss ich auch daran erinnern, dass unser Gemeinwesen (Kommune – Land – Bund) in erheblichem Umfang von den richtigen Unternehmensentscheidungen abhängt. Gute Infrastruktur, Bildung und Ausbildung, lebenswerte Nachbarschaften hängen von der Finanzkraft aller ab! Hier schließt sich der Kreis: Wer gut ausgebildete Mitarbeiter will, die in der Nähe wohnen können und deren Kinder auf gute Schulen und Universitäten gehen, auf eine 1-A-Infrastruktur setzt und einen zuverlässigen Rechtsstaat will, sollte Teil der Gesellschaft bleiben. Rosinenpickerei hat keine Zukunft – nirgends!